Mehrere Tage durch die Sahara, rund 250 Kilometer Strecke und ein Rucksack mit fast allem, was du zum Überleben brauchst: Der Marathon des Sables gehört zu den härtesten Ausdauerprüfungen der Welt. Ich zeige, wie das Rennen aufgebaut ist, welche Anforderungen es an Herz-Kreislauf-System und Muskulatur stellt und wie du Training, Hitze, Ernährung und Ausrüstung realistisch planst.
Die wichtigsten Fakten zur Wüsten-Ausdauerprüfung auf einen Blick
- Format: ein mehrtägiger Etappen-Ultramarathon in der marokkanischen Sahara.
- Distanz: Die legendäre Ausgabe umfasst ungefähr 250 Kilometer, inklusive einer besonders langen Etappe.
- Versorgung: Die Teilnehmenden tragen ihre Verpflegung und Pflichtausrüstung selbst.
- Rucksack: Das vorgeschriebene Gewicht liegt bei etwa 6,5 bis 15 Kilogramm.
- Training: Entscheidend sind eine starke aerobe Basis, langes Gehen und Laufen sowie Belastungen an zwei aufeinanderfolgenden Tagen.
- Hitze: Eine schrittweise Akklimatisation über 7 bis 14 Tage senkt die Belastung für den Kreislauf.

Was den Marathon des Sables so besonders macht
Der berühmte Wüstenlauf ist kein gewöhnlicher Marathon und auch kein einzelner Ultramarathon. Die Teilnehmenden bewältigen mehrere Etappen in der Sahara, schlafen im temporären Camp und tragen einen großen Teil ihrer persönlichen Versorgung im Rucksack. Genau diese Kombination aus Distanz, Hitze, Sand und täglicher Erholung unter einfachen Bedingungen macht die Prüfung so anspruchsvoll.
Die Veranstaltung entstand 1986 mit 23 Pionieren in der marokkanischen Sahara. Inzwischen gibt es mehrere Formate und Austragungsorte. Für 2026 wurde die 40. Legendary-Ausgabe mit etwa 250 Kilometern Gesamtstrecke und einer außergewöhnlich langen Etappe von rund 100 Kilometern angekündigt.
| Format | Typische Distanz | Besonderheit |
|---|---|---|
| Legendary | etwa 250 km | mehrere Etappen, Selbstversorgung mit Essen, Sahara |
| MDS 120 | 70, 100 oder 120 km | vier Tage Laufen oder Gehen mit eigener Verpflegung |
| MDS Ultra | 100 oder 160 km | lange Nonstop-Belastung über bis zu 40 Stunden |
Ich halte die kürzeren Formate für eine sinnvolle Zwischenstufe, nicht für eine Abkürzung. Wer bereits lange Trailläufe kennt, kann dort den Umgang mit Sand, Rucksack und Hitze testen, ohne sofort die komplette mehrtägige Belastung einzugehen. Die genauen Regeln und Pflichtgegenstände unterscheiden sich je nach Format und Ausgabe.
Die Distanz ist nur die halbe Belastung
Auf flachem Asphalt kann eine bestimmte Kilometerzahl planbar wirken. In weichem Sand, bei Gegenwind und mit schwerem Rucksack verändert sich das Tempo jedoch deutlich. Der Körper arbeitet ständig gegen den Untergrund, während die Hitze den Puls erhöht und die Erholung zwischen den Etappen erschwert.
Für mich ist deshalb nicht die maximale Geschwindigkeit der wichtigste Trainingswert, sondern die Fähigkeit, über viele Stunden ökonomisch in Bewegung zu bleiben. Gehen ist dabei kein Zeichen mangelnder Fitness. Selbst sehr starke Läufer wechseln im Sand bewusst zwischen Laufen und zügigem Gehen.
| Trainingsbaustein | Wirkung | Praktische Umsetzung |
|---|---|---|
| Lockere Grundlageneinheiten | verbessern die aerobe Ausdauer und Erholung | 2 bis 4 Einheiten pro Woche in einem Tempo, bei dem Sprechen möglich bleibt |
| Langer Lauf oder Marsch | trainiert Energiemanagement, Füße und mentale Ausdauer | zu Beginn 90 Minuten, später 3 bis 5 Stunden |
| Intervalle | erhöhen die kardiorespiratorische Leistungsfähigkeit | einmal pro Woche, zum Beispiel 4 x 4 Minuten zügig mit lockerer Pause |
| Krafttraining | stabilisiert Beine, Rumpf und Schultern | zweimal pro Woche, besonders Waden, Gesäß, Oberschenkel und Rumpf |
Die sogenannte Zone 2, also eine sehr lockere Belastung mit überwiegend aerober Energiebereitstellung, ist dabei wichtiger als viele Athleten denken. Sie liefert die Grundlage, auf der lange Etappen überhaupt erst möglich werden. Harte Intervalle ersetzen keine langen Stunden auf den Beinen.
So lässt sich die Vorbereitung über Monate aufbauen
Die Basisphase
Für eine gut trainierte Person halte ich **16 bis 24 Wochen** Vorbereitung für realistisch. Wer bisher nur gelegentlich läuft, sollte eher 9 bis 12 Monate einplanen. In den ersten Wochen geht es nicht um spektakuläre Distanzen, sondern um regelmäßige Belastung ohne Verletzungspause.
Ein sinnvoller Einstieg besteht aus drei bis vier Ausdauereinheiten pro Woche. Eine davon darf länger sein, während die übrigen Läufe locker bleiben. Ich würde den Umfang nur schrittweise erhöhen und etwa jede dritte oder vierte Woche deutlich ruhiger gestalten.
Die spezifische Phase
Später kommen zwei Belastungstage hintereinander hinzu. Ein Beispiel wären am Samstag drei bis vier Stunden mit Rucksack und am Sonntag weitere zwei bis drei Stunden. Dadurch lernt der Körper, auch mit müden Beinen kontrolliert zu arbeiten.
Das Rucksackgewicht sollte langsam steigen. Ich beginne mit dem Gewicht, das im Alltag angenehm bleibt, und nähere mich dann dem Wettkampfgewicht an. Entscheidend ist, dass Schultern, Hüfte und Füße die Belastung kennen, bevor die Wüste ins Spiel kommt.
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Die letzten Wochen
In den letzten vier bis sechs Wochen sollten die langen Einheiten möglichst spezifisch werden. Dazu gehören sandige Wege, Treppen, Waldpfade mit wechselndem Untergrund und gelegentlich längere Märsche. Perfekte Dünen gibt es in Deutschland selten, aber eine Kombination aus Rucksack, Steigungen und weichem Untergrund kommt der Belastung erstaunlich nahe.
Die letzten 10 bis 14 Tage gehören der Erholung. Ich reduziere dann den Umfang deutlich, behalte aber kurze lockere Läufe und einige wenige zügige Abschnitte bei. Mit müden Beinen anzureisen ist kein Beweis für Härte, sondern meistens ein vermeidbarer Fehler.
Hitze und Flüssigkeit müssen trainiert werden
Hitze verändert die Belastung des Herz-Kreislauf-Systems. Der Körper leitet mehr Blut zur Haut, die Schweißproduktion steigt und derselbe Laufrhythmus fühlt sich deutlich anstrengender an. Eine schrittweise Gewöhnung über 7 bis 14 Tage kann die Hitzetoleranz verbessern.
Aus Deutschland anzureisen und erst am Wettkampftag mit hohen Temperaturen zu kämpfen, halte ich für riskant. Besser sind zunächst kurze, lockere Einheiten in warmer Umgebung. Die Dauer und Intensität werden langsam erhöht, während Schlaf, Körpergefühl und Erholung beobachtet werden.
Eine Sauna kann die Vorbereitung ergänzen, ersetzt aber nicht vollständig das Training unter Belastung. Hitzetraining ist zusätzlicher Stress. Wer dabei Kopfschmerzen, Schwindel, ungewöhnliche Verwirrtheit, Gänsehaut oder einen plötzlich nachlassenden Bewegungsdrang bemerkt, beendet die Einheit sofort.
Beim Trinken gibt es keine seriöse Einheitsmenge für alle. Körpergewicht, Schweißrate, Temperatur, Tempo und Salzverlust unterscheiden sich stark. Ich teste deshalb lange Einheiten mit derselben Trinkflasche und Verpflegung und kontrolliere, wie sich Körpergewicht, Urinfarbe und Leistungsgefühl entwickeln. Übermäßiges Trinken ist ebenfalls problematisch, weil es den Salzhaushalt verdünnen kann.
Bei starkem Schwitzen reicht Wasser allein oft nicht aus. Elektrolyte, vor allem Natrium, können sinnvoll sein, sollten aber im Training ausprobiert werden. Ein Wettkampf in der Sahara ist der denkbar schlechteste Ort für Experimente mit neuen Getränken oder Nahrungsergänzungsmitteln.
Rucksack, Füße und Essen entscheiden über den Erfolg
Bei der Legendary-Variante muss der Rucksack mit Pflichtausrüstung, persönlicher Ausstattung und Nahrung in einem vorgeschriebenen Bereich liegen. Die Regeln nennen etwa 6,5 bis 15 Kilogramm; als praktisches Ziel werden häufig 6,5 bis 8,5 Kilogramm empfohlen. Jedes Gramm zählt, aber ein zu leichter Rucksack ist nicht automatisch ein guter Rucksack.
| Ausrüstung | Worauf ich achten würde |
|---|---|
| Rucksack | stabiler Sitz ohne Scheuern, auch bei voller Beladung |
| Schuhe und Gamaschen | ausreichend Platz für geschwollene Füße und zuverlässiger Schutz vor Sand |
| Socken | mehrere getestete Paare sowie ein konkreter Plan gegen Blasen |
| Schlafsystem | leicht, warm genug für kalte Wüstennächte und vor dem Rennen erprobt |
| Stirnlampe | bei der 2026er Legendary-Ausschreibung mindestens 400 Lumen plus Ersatzversorgung |
Die Füße verdienen besondere Aufmerksamkeit. Sand findet jede kleine Schwachstelle, und aus einem harmlosen Druckpunkt kann innerhalb einer Etappe eine schmerzhafte Blase werden. Ich würde Schuhe, Gamaschen, Socken und Tape deshalb über viele Stunden testen, nicht nur bei kurzen Trainingsläufen.
Auch die Nahrung muss praktisch funktionieren. Da die Versorgung mit fester Nahrung weitgehend in eigener Verantwortung liegt, sollten Mahlzeiten leicht, energiereich und magenverträglich sein. Gefriergetrocknete Gerichte, Riegel, Nüsse, Trockenfrüchte und individuell verträgliche Kohlenhydratquellen sind mögliche Bausteine. Die konkrete Tagesmenge sollte aus dem Training hervorgehen, nicht aus einer fremden Packliste.
Der häufigste Fehler ist meiner Erfahrung nach nicht fehlender Ehrgeiz, sondern fehlendes Testen. Ein Rucksack, der nach zwei Stunden drückt, oder ein Riegel, der nach fünf Stunden Übelkeit verursacht, wird auf einer Wüstenetappe nicht plötzlich besser.
Für wen die Herausforderung realistisch ist
Die Teilnahme ist nicht ausschließlich Eliteläufern vorbehalten. Die Rennen sind grundsätzlich auch für Geher geöffnet, doch Zeitlimits, Pflichtausrüstung und die Belastung über mehrere Tage bleiben bestehen. Wer langsam unterwegs ist, muss seine Pausen deshalb besonders sorgfältig planen.
Ich würde die große Sahara-Etappe nicht als ersten Kontakt mit Ultramarathons empfehlen. Sinnvoller ist eine Vorbereitung über kürzere Trailläufe, einen langen Wandertag mit Rucksack und idealerweise ein mehrtägiges Etappenrennen. So zeigt sich, ob nicht nur die Kondition, sondern auch Schlaf, Ernährung und Fußpflege funktionieren.
- Du solltest mehrere Stunden ohne starke Leistungseinbrüche gehen oder laufen können.
- Du solltest an zwei aufeinanderfolgenden Tagen belastbar bleiben.
- Du solltest deinen Rucksack, deine Schuhe und deine Nahrung vollständig getestet haben.
- Bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen, ungeklärten Beschwerden oder relevanten Vorerkrankungen gehört eine sportmedizinische Untersuchung zur Vorbereitung.
Der wichtigste Unterschied zu einem Straßenmarathon liegt im Tempo. Beim Marathon zählt häufig die Zeit über eine Distanz. In der Sahara zählt stärker, ob du deine Kräfte, Flüssigkeit, Nahrung und Haut über mehrere Tage im Griff behältst. Konstanz schlägt einen heroischen ersten Tag.
Der beste Test findet vor der Wüste statt
Ich würde vor der Anmeldung drei Dinge prüfen: eine lange Einheit mit Wettkampfschuhen, ein Wochenende mit zwei Belastungstagen und einen vollständigen Rucksacktest inklusive Verpflegung. Wenn dabei Schmerzen, Magenprobleme oder Scheuerstellen auftreten, ist das keine Niederlage, sondern wertvolle Information.
Die Wüste verlangt keine perfekte Marathonzeit. Sie verlangt eine belastbare aerobe Basis, kluge Tempokontrolle, robuste Füße und die Bereitschaft, auch einmal langsam zu gehen. Wer diese Grundlagen über Monate aufbaut und Hitze sowie Ausrüstung nicht dem Zufall überlässt, verbessert seine Chancen deutlich, die Herausforderung gesund und mit Freude zu bewältigen.