Ein paar Sekunden Vollgas, ein steiler Anstieg oder ein hartes Intervall bringen dich schnell an den Punkt, an dem lockeres Reden nicht mehr möglich ist. Genau dort arbeitet der Körper zunehmend anaerob: Er gewinnt Energie besonders schnell aus Glukose und Glykogen, wenn die Sauerstoffversorgung den Bedarf nicht mehr vollständig decken kann. Ich zeige dir, wie dieser Stoffwechsel funktioniert, welche Cardio-Übungen dafür geeignet sind und wie du intensive Intervalle sinnvoll in dein Training einbaust.
Hohe Intensität liefert schnell Energie, braucht aber Erholung
- Anaerobes Training nutzt vor allem schnell verfügbare Kohlenhydrate, wenn die Belastung sehr hoch ist.
- Sprints, Bergintervalle, Rudern und HIIT sind typische Formen dieser Trainingsart.
- Die Belastung liegt meist bei 8 bis 10 von 10 auf der subjektiven Anstrengungsskala.
- Für Einsteiger reichen zunächst 4 bis 6 kurze Intervalle mit großzügigen Pausen.
- Intensive Einheiten verbessern Leistung und Belastungsverträglichkeit, ersetzen aber kein lockeres Grundlagentraining.

Was bei anaerober Energiegewinnung im Körper passiert
Bei jeder Bewegung laufen mehrere Energiesysteme gleichzeitig. Bei niedriger oder mittlerer Intensität kann der Körper den Energiebedarf überwiegend mithilfe von Sauerstoff decken. Steigt die Belastung stark an, muss er zusätzlich auf anaerobe Glykolyse zurückgreifen. Dabei wird Glukose beziehungsweise gespeichertes Glykogen schnell abgebaut, um ATP bereitzustellen. ATP ist der unmittelbare Energieträger, den deine Muskeln für jede Kontraktion benötigen.
„Anaerob“ bedeutet dabei nicht, dass im Muskel überhaupt kein Sauerstoff vorhanden ist. Gemeint ist, dass der Energiebedarf schneller steigt als die aerobe Bereitstellung allein liefern kann. Das passiert zum Beispiel beim Antritt auf dem Fahrrad, beim Sprint zur Bushaltestelle oder in den letzten Sekunden eines harten Intervalls.
Bei der schnellen Glykolyse entsteht unter anderem Laktat. Laktat ist kein reines Abfallprodukt, sondern kann weiterhin als Brennstoff genutzt werden. Problematisch wird es erst, wenn Bildung und Abbau bei hoher Intensität nicht mehr im Gleichgewicht stehen. Dann fühlen sich die Beine schwer an, die Muskulatur brennt und die Leistung fällt ab.
Die sogenannte anaerobe Schwelle ist deshalb kein magischer Schalter, der plötzlich umgelegt wird. Sie beschreibt vielmehr einen individuellen Intensitätsbereich, in dem Laktat deutlich schneller anfällt als es verarbeitet werden kann. Dieser Bereich hängt von Trainingszustand, Sportart, Tagesform und Messmethode ab.
Woran du die richtige Intensität erkennst
Für sehr kurze Intervalle ist die Herzfrequenz nur eingeschränkt hilfreich. Sie reagiert verzögert und erreicht bei einem 10- oder 20-Sekunden-Sprint oft erst dann ihren Höchstwert, wenn die Belastung schon vorbei ist. Ich steuere solche Einheiten deshalb zuerst über Tempo, Gefühl und Bewegungsausführung, nicht über eine einzelne Zahl auf der Sportuhr.
Ein praktisches Hilfsmittel ist die Skala der wahrgenommenen Anstrengung von 1 bis 10. Ein lockerer Dauerlauf liegt vielleicht bei 4 bis 5, ein Schwellenintervall bei 7 bis 8 und ein echter Sprint bei 9 bis 10. Bei einer anaeroben Belastung kannst du meist keinen vollständigen Satz mehr sprechen.
| Belastungsbereich | Gefühl | Typische Dauer | Geeignetes Ziel |
|---|---|---|---|
| Locker aerob | Gespräch problemlos möglich | 20 bis 90 Minuten | Grundlagenausdauer und Erholung |
| Schwellenbereich | Kurze Sätze möglich | 10 bis 30 Minuten insgesamt | Tempoausdauer und Laktatverarbeitung |
| Hochintensiv anaerob | Sehr starke Atemnot, kaum Sprache | 10 bis 60 Sekunden | Schnelligkeit, Leistung und hohe Belastungstoleranz |
Eine hohe Herzfrequenz allein beweist übrigens nicht, dass du anaerob trainierst. Sie kann auch durch Hitze, Stress, Koffein oder einen langen Anstieg erhöht sein. Für die Trainingssteuerung ist die Kombination aus Belastungsdauer, Tempo, Pausenlänge und subjektivem Empfinden deutlich aussagekräftiger.
Welche Cardio-Übungen dafür besonders geeignet sind
Sprints beim Laufen
Kurze Sprints von 10 bis 30 Sekunden erzeugen eine sehr hohe Leistungsspitze. Sie trainieren Antritt, Laufökonomie und die Fähigkeit, trotz starker Ermüdung schnell Kraft zu entwickeln. Der Preis dafür ist eine hohe Belastung für Waden, Achillessehnen und hintere Oberschenkel. Wer nicht regelmäßig sprintet, sollte mit Steigerungsläufen auf leichtem Untergrund beginnen. Für Einsteiger ist ein moderater Berganstieg oft sicherer als ein maximaler Sprint auf flacher Strecke, weil das Tempo automatisch etwas geringer bleibt.
Fahrrad und Spinning
Auf dem Fahrrad lassen sich intensive Intervalle sehr gut dosieren. Ein Beispiel sind 6 Wiederholungen von 20 Sekunden schnell, gefolgt von jeweils 100 Sekunden lockerem Treten. Das Fahrrad reduziert die Stoßbelastung und ist deshalb eine gute Wahl für Menschen, die beim Laufen schnell Beschwerden bekommen.
Ruderergometer und Ski-Ergometer
Rudern beansprucht Beine, Rumpf und Oberkörper gleichzeitig. Dadurch steigt der Energiebedarf rasch an, ohne dass du sprinten musst. Wichtig ist eine saubere Technik, denn unter Ermüdung wird häufig zuerst der Rücken rund und die Zugbewegung unkontrolliert.
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HIIT und kurze Zirkel
Burpees, Kettlebell-Swings, schnelle Step-ups oder kurze Seilsprungintervalle können ebenfalls anaerobe Anteile enthalten. Allerdings entscheidet die konkrete Ausführung. Ein 30-sekündiger Satz mit kontrolliertem Tempo ist etwas anderes als ein maximaler Sprint. Bei Zirkeltraining ist daher die Qualität der Bewegung wichtiger als möglichst viele Wiederholungen.
So baust du eine intensive Einheit sinnvoll auf
Die häufigste Fehlentscheidung besteht darin, sofort mit maximaler Härte zu starten. Ein gutes Intervalltraining beginnt dagegen mit einem 10- bis 15-minütigen Aufwärmen. Dazu gehören lockeres Einrollen oder Laufen, einige dynamische Bewegungen und zwei bis drei kurze Steigerungen.
Für Einsteiger reicht eine überschaubare Einheit. Nach dem Aufwärmen kannst du beispielsweise sechs Durchgänge absolvieren, bei denen du 20 Sekunden zügig arbeitest und anschließend 100 Sekunden locker regenerierst. Die schnelle Phase soll intensiv sein, aber nicht dazu führen, dass Technik und Haltung auseinanderfallen.
- Aufwärmen für 10 bis 15 Minuten.
- 4 bis 6 Intervalle mit 15 bis 30 Sekunden hoher Intensität.
- 90 bis 150 Sekunden Pause oder sehr lockere Bewegung zwischen den Wiederholungen.
- Nach jeder Runde prüfen, ob Tempo und Technik noch kontrolliert bleiben.
- 5 bis 10 Minuten auslaufen oder locker ausradeln.
Fortgeschrittene können die Zahl der Wiederholungen langsam auf 8 bis 10 erhöhen oder die Pausen etwas verkürzen. Ich würde jedoch immer nur eine Stellschraube pro Trainingsphase verändern. Mehr Intervalle, höheres Tempo und kürzere Pausen gleichzeitig machen die Einheit unnötig schwer und erschweren die Erholung.
Zwischen zwei maximalen Einheiten sollten meist mindestens 48 Stunden liegen. Für viele Freizeitsportler sind ein bis zwei intensive Cardio-Einheiten pro Woche völlig ausreichend. Der Rest des Trainings darf bewusst ruhig sein, damit sich Muskeln, Sehnen und Nervensystem anpassen können.
Welche Vorteile und Grenzen das Training hat
Intensive anaerobe Intervalle können die Fähigkeit verbessern, kurzfristig hohe Leistung abzurufen. Sie sind besonders interessant für Sportarten mit häufigen Tempowechseln, etwa Fußball, Basketball, Handball, Mountainbike oder Mittelstreckenlauf. Auch die maximale Sauerstoffaufnahme kann durch richtig dosiertes Intervalltraining steigen, obwohl die einzelnen Belastungen teilweise anaerob geprägt sind.
Ein weiterer Vorteil ist die Zeiteffizienz. Eine harte Intervall-Einheit kann inklusive Aufwärmen in etwa 25 bis 35 Minuten erledigt sein. Das bedeutet aber nicht, dass sie automatisch besser ist als 45 Minuten lockeres Radfahren. Beide Trainingsformen setzen unterschiedliche Reize.
| Training | Stärken | Grenzen |
|---|---|---|
| Aerobes Grundlagentraining | Ausdauerbasis, Erholung, große Trainingsumfänge | Weniger Reiz für maximale Schnelligkeit |
| Anaerobe Intervalle | Tempo, Leistung, hohe Belastungstoleranz | Mehr Ermüdung und höheres Verletzungsrisiko |
| Schwellentraining | Gutes Gleichgewicht aus Tempo und Ausdauer | Anspruchsvoll zu dosieren |
Für die Fettabnahme gibt es keinen geheimen Bonus durch den anaeroben Stoffwechsel. Entscheidend bleiben der gesamte Energieverbrauch, die Ernährung und die Regelmäßigkeit. Wer nach jeder Intervalleinheit völlig erschöpft ist und sich danach kaum bewegt, hat vom vermeintlich höheren Kalorienverbrauch möglicherweise weniger als gedacht.
Typische Fehler bei hoher Intensität
Viele trainieren jede schnelle Einheit wie einen Wettkampf. Dadurch werden die ersten Wiederholungen zu schnell, die Technik verschlechtert sich und die letzten Intervalle werden nur noch ein Kampf ums Durchhalten. Besser ist ein Tempo, das du über alle geplanten Durchgänge möglichst stabil halten kannst.
- Kein Aufwärmen erhöht die Gefahr für Zerrungen und überlastete Gelenke.
- Zu kurze Pausen verhindern, dass du die nächste Wiederholung technisch sauber ausführst.
- Nur HIIT lässt die wichtige aerobe Basis und aktive Erholung vermissen.
- Herzfrequenz als alleinige Steuerung funktioniert bei kurzen Sprints nur eingeschränkt.
- Schmerz wird mit Anstrengung verwechselt. Brennende Muskeln sind etwas anderes als stechender Gelenk- oder Brustschmerz.
Bei bekannten Herz-Kreislauf-Erkrankungen, ungeklärter Atemnot, Brustschmerzen oder längerer Trainingspause sollte die Belastung vorher medizinisch abgeklärt werden. Während des Trainings sind Schwindel, ungewöhnliche Schwäche oder Schmerzen ein klares Signal zum Abbruch. Besonders Einsteiger fahren mit Fahrrad, Crosstrainer oder Ruderergometer oft kontrollierter als mit maximalen Laufsprints.
Der beste Platz für anaerobe Intervalle in deinem Wochenplan
Wenn dein Ziel allgemeine Fitness ist, würde ich zuerst eine stabile Grundlage schaffen. Zwei bis drei lockere Ausdauereinheiten pro Woche und eine kurze intensive Einheit sind für viele Menschen ein sinnvoller Anfang. Erst wenn du dich davon zuverlässig erholst, lohnt sich eine zweite harte Einheit.
Für einen 5-Kilometer-Lauf können kurze Bergsprints und längere Tempointervalle sinnvoll sein. Beim Radfahren passen kurze Antritte oder 30-Sekunden-Belastungen gut zu einer ansonsten lockeren Woche. Entscheidend ist, dass die Intervalle dein konkretes sportliches Ziel unterstützen und nicht nur möglichst spektakulär aussehen.
Meine wichtigste Faustregel lautet deshalb: Trainiere hart genug, um einen klaren Reiz zu setzen, aber nicht so hart, dass die nächsten drei Tage darunter leiden. Ein gut gesetztes anaerobes Training ergänzt deine Ausdauer. Es ersetzt weder die ruhigen Kilometer noch Schlaf, Essen und regelmäßige Erholung.